Suchen Sie Mitarbeiter?
Schalten Sie jetzt für 65 Franken ein Stellenangebot auf Gastro-Express, der führenden Jobbörse für das Schweizer Gastgewerbe. Jahresabos ab 390 Franken.
05.08.2026
Wird der Liefermarkt zur Plattformfalle?
Restaurants drohen in eine Abhängigkeit zu geraten
Der Entscheid der Basler Kurierzentrale, ihren Essenslieferdienst «Velogourmet» auf Frühling 2027 einzustellen, steht exemplarisch für einen Markt, der zunehmend von wenigen internationalen Plattformen geprägt wird. Restaurants, die stark auf den Lieferkanal setzen, drohen in eine Abhängigkeit zu geraten.
Der Liefermarkt boomt, doch die Kunden werden anspruchsvoller. Sie erwarten immer kürzere Lieferzeiten, eine möglichst grosse Auswahl und regelmässige Preisaktionen. Plattformen wie «Uber Eats» oder «Just Eat» können sich gewaltige Marketingschlachten und hohe Investitionen in technische Verbesserungen leisten. Sie sind bereit, jahrelang mit tiefen Margen oder gar mit Verlusten zu arbeiten, solange sie das Ziel vor Augen sehen: «The winner takes it all.»
Je mehr Restaurants auf einer Plattform vertreten sind, desto attraktiver wird sie für die Kunden. Gleichzeitig führt eine wachsende Zahl von Bestellungen dazu, dass sich wiederum weitere Restaurants anschliessen. Dieser Kreislauf führt fast zwangsläufig zu einer Marktkonzentration.
In anderen Bereichen zeigt sich das bereits deutlicher. Hoteliers beklagen ihre Abhängigkeit von der Buchungsplattform Booking.com, deren Marktmacht immer wieder Gegenstand von Kartellverfahren ist. In der Schweiz trat Anfang 2025 ein Gesetz in Kraft, das sogenannte Paritätsklauseln verbietet. Hotels dürfen ihre Zimmer seither auf der eigenen Website günstiger anbieten als auf Buchungsplattformen, was ihre Position wieder etwas stärkt.
Auch der Onlinehandel liefert Beispiele. So ist Amazon in vielen Ländern dank seiner enormen Reichweite und Logistik so dominant, dass der Marktplatz für manche Händler unverzichtbar wird. Sie geraten in eine Abhängigkeit und müssen sämtliche Vorgaben des Plattformbetreibers schlucken. Änderungen bei Gebühren, Suchalgorithmen oder Geschäftsbedingungen haben unmittelbare Auswirkungen.
Schon bald ein Fall für die Weko?
Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich im Markt für Essenslieferungen ab. Wenn lokale Alternativen wie Smood in der Westschweiz oder Velogourmet in Basel verschwinden, wächst die Abhängigkeit der Restaurants von den verbleibenden Plattformen. Diese bestimmen nicht nur die Höhe der Vermittlungsprovisionen, sondern auch, welche Betriebe in ihren Apps besonders sichtbar sind oder an Werbeaktionen teilnehmen.
In Deutschland stand die Just-Eat-Tochter «Lieferando» wegen Bestpreisklauseln im Visier der Kartellwächter. Gastronomen ist es verboten, Gerichte auf ihrer eigenen Restaurant-Website oder bei anderen Lieferdiensten günstiger anzubieten. Das Verfahren wurde 2023 vorerst eingestellt. Die Wettbewerbshüter sahen durch den Markteintritt neuer Konkurrenten wie Uber Eats und Wolt vorerst keine gravierende Marktblockade mehr.
Letztes Jahr verhängte die Europäische Kommission eine Geldbusse von insgesamt 329 Millionen Euro gegen «Delivery Hero» und «Glovo». Die Unternehmen hatten über Jahre hinweg illegale Absprachen getroffen und nationale Märkte untereinander aufgeteilt.
In einer Plattformökonomie entscheiden die Grösse, Daten und Netzwerkeffekte über den Erfolg. Möglicherweise werden wir in der Schweiz schon bald vor der Frage stehen, wie sich ein funktionierender Wettbewerb auf dem Liefermarkt erhalten lässt.
Maurus Ebneter
Präsident Wirteverband Basel-Stadt
- Lieferdienst «Velogourmet» wird eingestellt
- Sammelklage europäischer Hotels gegen Booking.com
- Missbraucht die Coop-Tochter Transgourmet ihre Marktmacht?
Dossiers: Delivery | Kartelle | Onlinevertrieb
Permanenter Link: https://www.baizer.ch/aktuell?rID=10039
Suchen Sie eine Stelle im Gastgewerbe?
Inserieren Sie kostenlos auf Gastro-Express, der führenden Jobbörse für das Schweizer Gastgewerbe!





