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18.01.2026

Brauen, Brennen, Verkaufen

«Shebeens»: Kneipen im südlichen Afrika

Die «shebeens» von Salisbury im südlichen Afrika um 1950 waren Orte der Geschäftigkeit, Geselligkeit und der Kontrolle.

Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter aus Portugiesisch-Ostafrika (heute Mosambik) machten sich jedes Jahr zu Tausenden daran, illegal nach Rhodesien (heute Zimbabwe) oder Südafrika zu wandern, um dort der heimischen brutalen Zwangsarbeit («chibharo»), den Körperstrafen, der Armut und den tiefen Löhnen in Landwirtschaft und Bergwerken zu entkommen.

In Salisbury (heute Harare), der modernen, freundlicheren und wohlhabenderen Haupt- und Grossstadt Rhodesiens, fanden sie vielleicht einen Job, allerdings auf niedriger Stufe, beispielsweise als Strassenwischer, Hilfsarbeiter oder im Reinigungssektor. Frauen arbeiteten in der Regel im informellen Sektor als Marktverkäuferinnen, Hausiererinnen, Prostituierte oder auch als Mikrounternehmerinnen.

Manche brauten Bier oder brannten Schnaps und stellten betrieben in ihren Häusern einen kleinen Ausschank. Dies waren die «shebeens», die von Männern aus den «schwarzen» Quartieren wie Mbare, auch aus Myasaland (Malawi), Tanganijka (Tansania) oder aus Belgisch-Kongo auch wegen der heimeligen Atmosphäre frequentiert wurden.

Man konnte dort auf Kredit trinken, mit Freunden witzeln, aber viele Afrikaner hatten ein Alkoholproblem (und drohten dann als billige Arbeitskraft auszufallen). Man konnte aber auch Frauen kennenlernen, diesen Bier und Likör spendieren in der Hoffnung auf ein sexuelles Abenteuer. Allerdings waren auch Sexarbeiterinnen zugegen, die betrunkene Männer auszunehmen wussten. Manche Frauen kochten auch Speisen, die an die alte Heimat Mosambik erinnerten.

Die Regierung hatte ein Auge auf die «shebeens» und versuchte diese im Jahre 1949 zu regulieren. Frauen durften keinen Likör (skokiana) und keinen harten Brandy (kachasu) mehr herstellen und ausschenken, auch starkes europäisches Bier war verboten. Afrikanisches Bier war eher schwach und überstieg die tolerierte Obergrenze von 2.75% Alkohol in der Regel nicht.

Wirtinnen, die gegen die neuen Normen verstiessen, drohten hohe Bussen, ja Gefängnis. Sporadisch führte die Polizei Razzien durch. Die Bevölkerung war unzufrieden mit der Gesetzgebung und deren Exekution. 1961 forderte die «Harare Residents Party» «besseres Bier, bessere Bierhallen und bessere Wohnungen».

Literatur:
Isaacman, Allen F., Joy M. Chadya und Barbara S. Isaacman. Elusive Histories. Mozambican Migrant Laborers in Rhodesia, ca. 1900-1980. Athens Ohio 2024.
Walcott, H. F. The African Beer Gardens of Bulawayo. Integrated Drinking in a Segregated Society. New Brunswick N. Y. 1974

Dr. phil. Fabian Brändle, Wil SG, Historiker und Volksschriftsteller


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