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22.05.2026
Wirtschaft und Behörden treiben Berufsintegration voran
Bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials
Die Spitzen der Sozialpartner, Vertreter von ausgesuchten Unternehmen und der Kantonsregierungen haben sich mit Bundesrat Beat Jans getroffen, um sich über erfolgsversprechende Ansätze bei der beruflichen Integration von Stellensuchenden auszutauschen. Der Fokus lag auf einer systematischen Zusammenarbeit bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen.
Am 22. Mai 2026 hat Bundesrat Jans zum zweiten Mal zu einem Austausch mit den Spitzen ausgewählter Unternehmen sowie Vertretern von Bund, Kantonen, Sozialpartnern, Branchenorganisationen und der Zivilgesellschaft eingeladen.
Ziel des Treffens war eine Diskussion über eine bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials – insbesondere auch der stellensuchenden Geflüchteten. Ein erster solcher Austausch hatte im Februar 2025 stattgefunden.
Staatliche Unterstützungsstrukturen
Für die Förderung der beruflichen Integration von Personen aus dem Asylbereich sind die Kantone zuständig, der Bund unterstützt sie dabei. Grundsätzlich gelinge die Integration von Stellensuchenden in der Schweiz gut, sagte Bundesrat Beat Jans. «Wiedereinsteigerinnen, älteren Arbeitnehmenden und insbesondere Geflüchteten fällt der Zugang zum Arbeitsmarkt aber oft nicht leicht. Sie brauchen daher gezielte Unterstützung».
Dazu bereiten Kantone und Gemeinden die stellensuchenden Geflüchteten unter anderem mit Jobcoaching und Sprachförderung auf den Arbeitsmarkt vor. Anschliessend suchen betroffene Personen direkt oder mit Unterstützung der Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) eine Stelle.
Dabei braucht es auch die Wirtschaft. Der Vizepräsident der Konferenz der Kantonsregierungen, der Berner Regierungsrat Christoph Ammann, betonte bei dem Treffen: «Die Offenheit der Unternehmen, eine Extrameile zu gehen und die berufliche Integration als Investition zu sehen, ist für deren Erfolg zentral».
Unternehmen und Branchen engagieren sich
Die Teilnehmer diskutierten beim Austausch Beispiele, wie sich die Rekrutierung und Ausbildung noch besser auf inländische Stellensuchende ausrichten lässt. «Ein Fokus unserer Arbeit liegt auf der Reintegration interner Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt. Darüber hinaus engagieren wir uns gezielt für Quereinsteiger, Geflüchtete, Menschen mit Beeinträchtigungen oder ohne Berufsabschluss», sagte Adi Bucher von der SBB.
Ein Weg, den Zugang zu verbessern, können von der Branche getragene Fachkurse sein. «Unsere Branche braucht Fachkräfte. Wir wollen das Inländerpotenzial besser ausschöpfen, um weniger von Arbeitskräften aus dem Ausland abhängig zu sein. Wir prüfen mit den Sozialpartnern ein einheitlicheres Vorgehen für Branchenkurse und werden dazu bald ein Pilotprojekt lancieren», sagte Beat Imhof von GastroSuisse. Ziel sei es, dass möglichst viele Personen einen Berufsabschluss erlangen.
Auch Gallus Bürgisser, Vizedirektor des Schweizer Nutzfahrzeugverbands Astag, verweist auf ein Pilotprojekt: «Der Erwerb des Lastwagenfahrer-Ausweises ist anspruchsvoll. Damit geeignete und motivierte Personen rascher bei uns einsteigen können, haben wir ein digitales eLearning-Angebot sowie ein gezieltes Ausbildungsmodell entwickelt. Das Programm wird derzeit in den Kantonen Fribourg und Aargau getestet.»
Auch weitere Branchen prüfen, solche Zertifikatslehrgänge auf nationaler Ebene zu entwickeln und dabei Ansätze von bereits bestehenden kantonalen Angeboten aufzugreifen.
Digitale Unterstützung
Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Integration am besten gelingt, wenn Staat und Wirtschaft enger zusammenarbeiten. «Die Vermittlung von Geflüchteten oder anderen inländischen Stellensuchenden gelingt dann am besten, wenn unbürokratische und direkte Kontakte und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen», sagte Bundesrat Jans. Auch dem Bund komme hier eine Rolle zu, diese Prozesse auf nationaler Ebene zu unterstützen.
Am Austausch dabei war auch der Verein «Path2Work», der aus einem Forschungsprojekt der ETH und der Universität Lausanne entstanden ist. «Path2Work» betreibt eine digitale Stellenplattform sowie eine Beratungsstelle. Das Projekt kann daher auf nationaler Ebene zur Vernetzung von Unternehmen, Branchen, den Geflüchteten sowie den kantonalen Behörden und Stellen beitragen.
Der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, Severin Moser, betonte: «Digitale Lösungen können zu einer besseren Vermittlung beitragen». Daniela Schneeberger, Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands wies auf die Chancen einer nationalen Stelle und Plattform hin.
Während einer dreijährigen Pilotphase wollen der Arbeitgeberverband und der Gewerbeverband «Path2Work» gemeinsam mit anderen Akteuren der Wirtschaft unterstützen und damit der beruflichen Integration weiteren Schub verleihen.
Pilotprojekt in Basel-Stadt und Luzern
In den Kantonen Basel-Stadt und Luzern beginnt demnächst ein Pilotprojekt von GastroSuisse, Hotelleriesuisse und Hotel & Gastro Union zusammen mit Hotel & Gastro formation, dem Staatsekretariat für Migration (SEM) sowie den zuständigen Stellen von Bund und Kantonen.
Ziel ist es, bestehende Ansätze zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund zu prüfen, besser aufeinander abzustimmen und in einem klar strukturierten Entwicklungsweg zusammenzuführen.
Das Programm baut auf bestehenden, anerkannten Modulen auf, insbesondere «GastroGo» und «Progresso», welche aber in einer modifizierten berufsbegleitenden Form umgesetzt werden.
Die Teilnehmer werden über rund ein Jahr begleitet: Sie arbeiten zu etwa 80 Prozent in einem Betrieb und werden zu rund 20 Prozent in Sprache und Fachkompetenzen ausgebildet. So sollen sie schrittweise an den Arbeitsalltag im Gastgewerbe herangeführt und für eine weiterführende berufliche Qualifikation vorbereitet werden.
Im ersten Halbjahr steht der Einstieg in den Arbeitsalltag mit Begleitung im Vordergrund. Diese Phase soll über bestehende Finanzierungsinstrumente unterstützt werden, was für die Betriebe zu einer enormen Entlastung führt.
Im zweiten halben Jahr wird die Verantwortung im Betrieb erhöht und die Qualifizierung vertieft; diese Phase wird durch den Betrieb getragen (es gilt der L-GAV-Mindestlohn für Ungelernte). Im Anschluss sollen die Teilnehmer die Möglichkeit haben, einen EBA- oder EFZ-Abschluss anzustreben.
«Es geht nicht darum, neue Strukturen zu schaffen, sondern bestehende Angebote und Instrumente besser zu bündeln, zu strukturieren und für die Betriebe wirksamer nutzbar zu machen», schreibt GastroSuisse in einer internen Mitteilung an die Kantonalverbände.
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In Basel und Luzern wird es demnächst ein Pilotprojekt mit Flüchtlingen geben. Danach wird das Programm national ausgerollt. hotelgastro.ch
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